SCHILLER: Elektronische Klänge auf Klassikpfaden

SCHILLER Interview

Christopher von Deylen, der Kopf hinter SCHILLER, beim Interview mit Prominent24.de in Berlin

SCHILLER ist in der Musikszene wahrlich kein Unbekannter mehr: Seit 15 Jahren ist er nicht nur mit seinen eigenen Veröffentlichungen erfolgreich, sondern arbeitete auch mit hochkarätigen Künstlern unterschiedlichster Genres zusammen, etwa mit Unheilig, Lang Lang, Peter Heppner oder Xavier Naidoo.

Nicht mal ein Jahr nach seinem letzten Studioalbum “Sonne” präsentiert SCHILLER am 30. August 2013 sein nächstes Werk – “Opus”. Das unterscheidet sich durch seine klassischen Einflüsse von den letzten Alben, macht aber gerade deshalb so neugierig.

Für “Opus” nahm sich SCHILLER Fragmente klassischer Stücke vor, die ihn besonders berühren, und umrahmte sie mit elektronischen Klängen. Dafür holte er sich Stars der Klassik-Szene an die Seite, unter anderem die Sopranistin Anna Netrebko, die Pianistin Hélène Grimaud oder den Solo-Oboisten der Berliner Philharmoniker, Albrecht Mayer.

SCHILLER setzt mit “Opus” nicht nur einen weiteren Meilenstein in seiner Karriere, sondern legt zugleich den Grundstein für das neue Label “Panorama”, dem gemeinsamen Label von Deutsche Grammophon und WE LOVE MUSIC.

Prominent24.de traf den Kopf hinter SCHILLER, Christopher von Deylen, in Berlin zum Interview, in dem er unter anderem über die Entstehungsgeschichte von “Opus”, aber auch über seinen persönlichen musikalischen Werdegang sprach.

Prominent24.de: Dein neues Album trägt den Titel “Opus” – ein sehr starkes Wort.
Christopher von Deylen: Die Schiller-Alben hatten bisher meist ein einzelnes Wort als Titel – “Leben”, “Weltreise” oder “Sonne”. “Opus” heißt ja Werk, ist ein sehr schön klingendes Wort, das zwar eine gewisse Mächtigkeit hat, aber auch eine gewisse Zeitlosigkeit. Das schien mir ganz passend für diese zeitlose Musik bzw. die “ewigen” Melodien, die ich mir ausgeliehen habe.

Prominent24.de: Hast du schon länger mit dem Gedanken gespielt, klassische Stücke neu zu bearbeiten? 
C.v.D.: Es gab immer schon mal Momente, in denen das geschehen ist. Es gab immer schon einzelne Ausflüge. Der Titel “Ein schöner Tag” etwa basiert ja auf einer Arie (“Un Bel Di”, Anm.d.Red.) aus “Madame Butterfly” von Puccini. Mit Lang Lang, ebenfalls ein Protagonist der Klassik-Szene, habe ich für die Olympischen Spiele in Peking zusammengearbeitet. Ich habe zudem vor zehn Jahren ein Album zusammen mit Harald Blüchel aufgenommen, “bi polar”. Darauf bildeten ebenfalls zum Teil klassische Elemente und Kompositionen die Grundlage. Das hat mich scheinbar immer wieder heimgesucht, so dass ich dann überlegt habe, daraus jetzt mal ein eigenes Werk zu machen.

Prominent24.de: Hattest du Berührungsängste dabei, an diese bekannten klassischen Melodien heranzugehen?
C.v.D.: Berührungsängste nicht, aber Respekt. Denn wenn man zu viel Angst hat, traut man sich nicht und dann passiert auch nichts. Es braucht eine gewisse respektvolle Reibung. Ich habe schon versucht, auf der einen Seite den Respekt zu wahren, aber andererseits auch offen an die Sache heran zu gehen. Ich habe mich auf Fragmente aus den Stücken beschränkt, die ich besonders schön, emotional und eindrucksvoll fand. Ich hoffe, dass auch der Zuhörer das als sehr spannend und emotional berührend wahrnehmen wird.

Prominent24.de: Denkst du, dass so mancher, der mit klassischer Musik nicht viel am Hut hat, durch “Opus” dazu bewegt wird, sich auch mal das zu Grunde liegende Originalstück anzuhören?
C.v.D.: Das kann passieren, aber das ist nicht meine Mission. Ich finde es toll, wenn man über Genre-Grenzen hinausgehen kann. Das habe ich in der Vergangenheit stets versucht. Deshalb fällt es mir auch selbst schwer, die Musik von Schiller zu beschreiben. Aber “Opus” soll nicht “Klassik light”, kein Einführungskurs in die Klassik sein. Wenn es einen Anstoß bietet, finde ich das toll, wenn nicht, ist das aber auch in Ordnung.

Prominent24.de: Verbindest du persönlich mit den einzelnen Tracks bestimmte Emotionen? Oder ergibt sich das bei jedem Hören neu?
C.v.D.: Es gibt bei den einzelnen Titeln eine Art “Sockelemotion”, die sich bei jedem Mal Hören wieder einstellt. Es gibt aber auch immer wieder andere Akzente, je nachdem, in welchem Momentum man sich gerade befindet.

Christopher von Deylen

Christopher von Deylen

Prominent24.de: Kannst du mir kurz deinen persönlichen musikalischen Werdegang beschreiben? Ich habe gehört, du hast selbst als Kind Klavier gespielt, mochtest das aber nicht besonders?
C.v.D.: Ich fand es furchtbar, Musik nach Noten abzuspielen. Da war ich relativ trotzig und habe lieber eigene Sachen gespielt als das, was es schon gab und was man mit Akribie und Fleiß reproduzieren musste. Gleichwohl bin ich sehr froh, dass ich ein bisschen Klavier spielen kann, das ist schon recht hilfreich. Aber der Klavierunterricht war eine kurze Episode. Ich habe schon mit 12 angefangen, mich für elektronische Musik zu interessieren und bin seitdem nie mehr davon losgekommen. Diese Art Musik hat mich scheinbar so beeindruckt und mitgerissen, dass ich mich intuitiv, ohne es geplant zu haben, immer mehr selbst diesem Genre zugewandt habe. Irgendwann war ich dann sehr neugierig, wie man diese Musik eigentlich komponiert.

Prominent24.de: Du hast für “Opus” mit echten Stars der Klassik-Szene zusammengearbeitet, unter anderem Anna Netrebko und der Pianistin Hélène Grimaud. Waren die deiner Idee gegenüber gleich offen eingestellt?
C.v.D.: Ich war anfangs doch etwas vorsichtig, weil man dem klassischen Komplex ja nachsagt, dass man da sehr bewahrend ist und sehr darauf bedacht, dass alles werkgetreu ist. Deshalb war ich auf alles gefasst, da ich mich ja auch noch an sehr exponierte Protagonistinnen der Klassik gewandt habe. Aber ich war umso erstaunter und positiv überrascht, dass die Neugier da doch recht groß ist. Eine Anna Netrebko müsste sich darauf ja gar nicht einlassen, die ist verwurzelt in der Klassik und erfüllt mit dem, was sie schon seit vielen Jahren macht. Also warum all das überhaupt riskieren und die Komfortzone verlassen? Doch ich war erstaunt, dass auch diese Künstler nur darauf gewartet zu haben schienen. Dabei geht es nicht darum, das eigene Werk bis dahin zu relativieren, sondern es zu ergänzen. Das eine wird durch das andere nicht weniger wert. Ich finde es sehr mutig und respektabel, dass man sich dort so geöffnet hat.

Prominent24.de: Du hast schon vor “Opus” mit sehr vielen hochkarätigen Künstlern zusammen gearbeitet. Kommen die auf dich zu oder fragst du sie, ob sie mit dir arbeiten möchten?
C.v.D.: Mit wem ich zusammen arbeite, hängt sehr davon ab, welche Stimmung, Tonalität und Klangfarbe die Musik hat, die ich gerade mache. Demzufolge bin ich ganz froh, dass ich selten gefragt werde, sondern selbst aktiv auf andere Künstler zugehen kann. Ich kann jemanden nur dann fragen, wenn ich auch etwas Passables vorzeigen kann. Diese Momente kann man nicht vorhersehen.

Prominent24.de: Deine letzten Alben waren sehr erfolgreich, drei davon sogar auf Platz 1 der Charts. Wächst damit der Druck, es immer noch besser zu machen?
C.v.D.: Es gibt einen hohen Druck, es jedes Mal gut zu machen. Es gibt ja zwischen dem, was ich tue, und dem Erfolg keinen Zusammenhang. Ich kann nicht bestimmen, ob etwas Erfolg haben wird oder nicht, das ist glücklicherweise unkalkulierbar. Deshalb ist es der falsche Weg, von hinten anzufangen und zu sagen, “Es soll Erfolg haben. Wie komme ich da jetzt hin?”. Das heißt aber nicht, dass man sich davon völlig lossagen kann. Es gibt Momente, in denen man sich fragt, wie das, was man macht, aufgenommen werden könnte. Aber wenn es soweit kommt, ist das ein Alarmsignal und man muss damit aufhören und sofort wieder der inneren Stimme, der Intuition folgen..

Prominent24.de: Du hast erst 2012 mit “Sonne” dein letztes Album veröffentlicht, jetzt folgt mit “Opus” bereits das nächste…
C.v.D.: Vor einem Jahr war noch total unklar, dass es “Opus” jemals geben wird. Das hat sich kurz nach der “Sonne Live”-Tour entwickelt. Nach der Tour wäre vermutlich die Arbeit an einem weiteren, “normalen” SCHILLER-Studioalbum losgegangen. Aber ich habe mir diesmal eine Seitwärtsbewegung, etwas weg vom Gewohnten, gewünscht. “Opus” hat mir die Möglichkeit gegeben, von den Sounds, den Melodien bis hin zum Plattencover und sogar dem Schriftzug, der über 15 Jahre unverändert geblieben ist, einmal etwas anderes zu probieren. Die Reise geht ja weiter.

Das Interview führte Elisabeth Singer für Prominent24.de.

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