Paper Aeroplanes: “Es geht darum, Gefühle ziehen zu lassen”

Sarah Howells und Richard Llewellyn standen im Interview Rede und Antwort
Ein kühler Herbstabend in Berlin – Während die Menschen draußen frösteln, sorgt im Kaffee Burger Sängerin Sarah Howells mit ihrer Stimme für Gänsehaut-Stimmung. Die Paper Aeroplanes sind zum ersten Mal in Deutschland, um ihre Single “Cliché” und das Album “The Day We Went Into The Sea” (VÖ: 15.10.2010) vorzustellen. Nachdem sie sich mit Bratwurst mit Sauerkraut und einem Berliner Hamburger gestärkt und sich die Stadt angesehen haben, standen sie uns vor ihrem Auftritt im Interview Rede und Antwort.
Prominent24: Wofür steht Euer Bandname „Paper Aeroplanes“? Welche Bedeutung hat er für Euch?
Sarah: Es gab einen Song mit dem Titel „Paper Aeroplanes“, den wir aber nicht mit auf das Album genommen haben. Es geht darum, angestaute Gefühle wie Traurigkeit und dergleichen ziehen zu lassen. Man schickt sie wie ein Papierflugzeug in den Äther, wie einen Brief, mit man eine Nachricht verschickt. Wir dachten, dass dieses Bild uns und unsere Musik recht gut beschreibt. Alle unsere Songs sind Ausdruck unserer Erfahrungen und Gefühle.
Prominent24: Wie habt Ihr zwei euch kennen gelernt?
Richard: Wir kommen beide aus dem gleichen Teil der Welt. Wir wuchsen beide an der Westküste von Wales auf. Unsere Heimatstädte sind etwa 40 Meilen voneinander entfernt. Wir lernten uns durch gemeinsame Freunde kennen. Die Musikszene in diesem Teil von Wales ist ziemlich klein.
Sarah: Ich spielte in einer Band und wir waren auf der Suche nach einem Bassisten. Richard spielte eine Weile für uns und als sich die Band auflöste, begannen Richard und ich, gemeinsam Songs zu schreiben und weiter zumachen.
Prominent24: Woher nehmt Ihr die Inspiration für Eure Musik?
Sarah: Es sind fast immer persönliche, emotionale Erfahrungen. Die Leute sagen oft, wir hätten nicht viele fröhliche Songs. Aber Songs entstehen nun mal dann, wenn man eine schwere Zeit durchmacht, wenn man ein Gefühl unbedingt ausdrücken möchte, um es zu verarbeiten.
Richard: Normalerweise hat man gar keine Zeit, Songs zu schreiben, wenn man glücklich ist. Denn dann ist man meistens unterwegs, trifft sich in einer Bar mit Freunden, macht Sport oder unternimmt viel. Wenn man zu Hause herumsitzt, denkt man oft mehr über sich und sein Leben nach. Das sind die Momente, in denen Songs entstehen. Wenn man entspannt ist und es nichts gibt außer dir und deiner Gitarre.
Prominent24: Habt Ihr musikalische Vorbilder?
Richard: Im Moment haben wir beide so ziemlich den gleichen Musikgeschmack, aber wir sind mit unterschiedlicher Musik aufgewachsen. Als ich jung war, hörte ich viel die Musik meiner Eltern, die Singer/Songwriter-Collections der 70er-Jahre, wie Joni Mitchells, Neil Young oder Cat Stevens.
Sarah: Mein Vater hörte immer Fleetwood Mac im Auto. Als ich in das Alter kam, in dem ich mich selbst so richtig für Musik interessierte, war ich besessen von Toni Amos und Radiohead. Aber im Moment finde ich Phoenix toll, die Cardigans mochte ich auch immer gern.
Prominent24: Denkt Ihr, diese Bands haben Einfluss auf Eure eigene Musik?
Richard: Das ist schwer zu sagen, denn wir beide sind offen für so viele verschiedene Arten von Musik. Da lässt sich schlecht einschätzen, was davon unseren Sound beeinflusst. Nur Akustik-Gitarren haben wirklich Einfluss auf unseren Sound. Aber ich glaube, Sarahs Stimme ist es, die unsere Musik ausmacht. (An Sarah) Glaubst du, dass Tori Amos die Art, wie du singst beeinflusst hat?
Sarah: Ich denke, auf eine gewisse Weise habe ich all das, was ich an verschiedenen Sängerinnen am meisten mag, für mich heraus gepickt. Sarah McLachlan hat mich sicher auch beeinflusst. Den Gesang von Tori Amos macht gerade aus, dass sie nicht perfekt singt, ihre Stimme manchmal bricht, sie aber dazu steht und solche Fehler selbst auf den Studioaufnahmen nicht künstlich ausgebessert werden. Sie singt einfach natürlich.
Prominent24: Ihr arbeitet auch mit verschiedenen Gastmusikern zusammen?
Sarah: Ja, befreundete Musiker unterstützen uns hin und wieder. Wir haben manchmal ein Cello, eine Geige oder ein Keyboard mit dabei.
Richard: Wenn wir einen großen Auftritt haben, für den wir eine vollständige Band brauchen, haben wir einen Schlagzeuger, der uns begleitet. Aber es ist nicht immer leicht, Musiker zu finden, die Zeit haben, da sie alle mit anderen Projekten beschäftigt sind.

Die Single Cliche erscheint am 1.Oktober
Prominent24: Eure Songs schreibt Ihr aber selbst, oder? Ist dann einer für den Text und der andere für die Musik zuständig oder macht Ihr das beide?
Sarah: Das ist ziemlich ausgeglichen. Ich schreibe mehr Texte, aber nicht alle. Wir haben beide Ideen, die wir dann gemeinsam entwickeln und ausbauen.
Richard: Da wir beide Gitarre spielen, arbeiten wir ziemlich flexibel. Manchmal hat man einen kompletten Song, den der andere verfeinert. Oder einer hat die Musik und der andere ändert etwas am Text. Da gibt es sehr viele Möglichkeiten.
Prominent24: Arbeitet Ihr auch an Nebenprojekten?
Sarah: Ich habe mit einigen DJs zusammengearbeitet. Einige der Dance-Tracks waren ziemlich erfolgreich in Europa. Und ich bin Backgroundsängerin einer walisischen Künstlerin.
Prominent24: Ihr habt sehr viele Fans im Internet. Ist es heutzutage unvermeidbar für einen Künstler, seine Musik über das Internet zu verkaufen?
Richard: Zumindest in Großbritannien ist es das wirklich. Digitale Verkäufe haben dort einen viel größeren Anteil am Musikgeschäft als etwa hier in Deutschland.
Sarah: Ich denke, das Internet ist inzwischen die wichtigste Plattform für Leute, sich über Musik zu informieren, sie zu hören und auch zu kaufen.
Prominent24: Was gefällt Euch am besten am Musikerleben?
Sarah: Ich finde es momentan am schönsten, dass mich die Musik zu so vielen neuen Orten bringt. Aber es ist auch ein 24-Stunden-Job, über den man den ganzen Tag nachdenkt. Wenn man schwere Zeiten durchmacht, hat man als Musiker die Möglichkeit, sich in Songs auszudrücken, aber auch Erinnerungen und Erfahrungen festzuhalten.
Richard: Ich denke, jeder Teil der Musik kann Spaß machen. Manchmal genießt man es mehr, auf der Bühne zu stehen, manchmal zieht man sich zurück und schreibt viel. An anderen Tagen steht man im Studio oder arbeitet zu Hause am Computer. Es macht alles Spaß, je nachdem, in welcher Stimmung man gerade ist. Durch die Welt zu reisen, ist natürlich toll.
Sarah: Ich finde es am tollsten, vor dem Publikum zu stehen.
Prominent24: Seid Ihr sehr heimatverbunden? Denkt Ihr, dass Eure Herkunft Einfluss auf Eure Musik hat?
Richard: Ja, mit Sicherheit.
Sarah: Wir sind beide am Meer aufgewachsen. In unseren Songs nehmen wir oft Bezug auf das Meer und die Küste, weil es immer in unseren Gedanken ist. Ich denke, Walisen nehmen alles etwas lockerer und sind offener. Das hat sicherlich unsere Musik beeinflusst. Wir sind sehr heimatverbunden.
Richard: Wir kommen beide aus einer Kleinstadt. Da gab es nun mal nur wenige Geschäfte oder Klubs, es gab weniger Möglichkeiten, etwas zu unternehmen. Aber wir genossen es, in der Natur zu sein. Es ist schwer zu sagen, wie wir uns entwickelt hätten, wenn wir etwa in London aufgewachsen wären. Somit hat es uns sicher stark beeinflusst.
Interview: Elisabeth Singer

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