Max Buskohl: “Manchmal steht man in den Texten nackt da”

Sänger Max Buskohl

Max Buskohl startet mit seinem neuen Album durch

Max Buskohl – wer diesen Namen hört, erinnert sich vielleicht ganz leise an etwas. Da war doch mal was… DSDS… – Ja, Max Buskohl hat bei “Deutschland sucht den Superstar” mitgemacht und ist damals kurz vor der Top 3-Show ausgestiegen – freiwillig. Denn er wollte mit seiner damaligen Band Empty Trash Musik machen und sich nicht von RTL vorschreiben lassen, welche Musik er zu spielen hat.

Doch das ist alles längst Vergangenheit und Max Buskohl hat es satt, dass ihm das DSDS-Image noch immer nachhängt. Für ihn beginnt jetzt etwas Neues: Er veröffentlicht am 7. September 2012 sein Solo-Album “Sidewalk Conversation”. Die erste Single “No More Bad Days” – übrigens der einzige Song, den er auf dem Album nicht selbst geschrieben hat – erschien bereits im März, vor kurzem feierte die zweite Single-Auskopplung “Never Fall in Love Again” Premiere.

Prominent24.de hat Max Buskohl zum Interview getroffen, mit ihm über DSDS, seinen Songwriting-Trip, auf dem die Songs auf “Sidewalk Conversation” entstanden sind, und sein Leben in Berlin gesprochen.

Prominent24.de: “Endlich kann ich heute richtig machen, was ich damals falsch gemacht habe” – damit beginnt deine offizielle Biografie zum Album “Sidewalk Conversation”. Bezieht sich diese Aussage auf deine Teilnahme an “Deutschland sucht den Superstar”?

Max Buskohl: Ja. Mit 17 wusste ich nicht, worauf ich mich einlasse, in welches Format ich mich begebe. Und dass man das jahrelang mit sich herumschleppen darf und in der musikalischen Welt deshalb nicht akzeptiert wird. Deswegen hoffe ich, dass ich mit diesem Album das richtig machen kann, was ich damals falsch gemacht habe. Ich finde, dass das Album sehr hochwertig, super geschrieben und produziert ist. Es ist ein sehr homogenes Album.

Prominent24: Obwohl du vorher schon Musik gemacht hast, hängt dir das DSDS-Image also immer noch nach?

M.B.: Ja sicher. Viele haben damals gesagt, Empty Trash sei pubertierende Musik. Aber hey – ich habe die Songs mit 16 geschrieben. Dennoch waren in den Songs auch ernsthafte Themen dabei, die man durchaus wahrnehmen hätte können. Aber gerade das Rockpublikum und auch das junge Publikum fanden es abstoßend, dass ich bei DSDS war. Selbst manche Musikzeitschriften wollten nicht über das Album von Empty Trash schreiben, weil sie mit DSDS nichts zu tun haben wollten.

Prominent24: Bereust du es deshalb, bei DSDS mitgemacht zu haben?

M.B.: Hätte ich vorher gewusst, wie es danach läuft, hätte ich da nie mitgemacht. Aber so nehme ich die Erfahrung, die ich gemacht habe, gerne an und nehme das als Hürde, die ich bewältigen muss.

Prominent24: Du hast eine bewegte Kindheit hinter dir, hast auf Lanzarote und Irland gelebt. Kannst du ein wenig davon erzählen, wie du aufgewachsen bist?

M.B.: Mein Vater wohnte viele Jahre lang in Irland, wohnt jetzt auf Gozo. Zudem war ich einige Jahre lang mit ihm in Australien und bin da zur Schule gegangen. Aber die Kindheit auf Lanzarote war wohl die beste, die man haben kann. In Badehose zur Schule gehen, nach der Schule schwimmen gehen – das war toll.

Sänger Max Buskohl

Max Buskohl beim Dreh zum Video der ersten Single "No More Bad Days"

Prominent24: Fiel es dir schwer, dich an Deutschland zu gewöhnen?

M.B.: Absolut. Ich habe es gehasst. Ich habe meiner Mutter echt das Leben schwer gemacht, als wir nach Berlin gekommen sind. Von einer schönen warmen Insel nach Berlin, das war hart. Aber ich glaube, auf Lanzarote aufgewachsen zu sein, hatte großen musikalischen Einfluss auf mich. Ich hatte null Ahnung davon, was gerade angesagt war. Das Einzige das durchschwappte, weil ich auf einer britischen Schule war, waren die Spice Girls oder sowas. Da hat man einfach das gehört, was man gerade gut fand.

Prominent24: Jetzt wohnst du in Berlin. Fühlst du dich wohl dort?

M.B.: Ja, absolut. Aber so langsam fällt mir die Stadt auf den Kopf. Man sagt zwar immer, Berlin sei so groß, aber irgendwann wird es doch zum Dorf. Man geht immer in die gleichen Clubs, trifft immer die gleichen Leute. Gerade weil ich früher so viel herumgekommen bin, habe ich das Bedürfnis, wieder etwas Neues kennen zu lernen. Es macht einfach auch Spaß, immer wieder neue Leute kennen zu lernen.

Prominent24: Wenn man in einer musikalischen Familie, mit so einem bekannten Vater, aufwächst, bleibt einem da überhaupt die Chance, etwas anderes als Musik zu machen?

M.B.: Ich glaube, man macht entweder genau das oder das komplette Gegenteil davon.

Prominent24: Hattest du einen Alternativplan zur Musik?

M.B.: Nein. Dabei habe ich erst relativ spät angefangen, Gitarre zu spielen, obwohl die bei uns Zuhause überall rumstanden. In der Schule durften wir irgendwann statt Blockflöte Gitarre lernen. Damals habe ich es gehasst, aber nach der Schule bin ich zum Lehrer gegangen und habe es mir nochmal zeigen lassen.

Prominent24: Warst du, als du schließlich angefangen hast, selbst Musik zu machen, immer nur “der Sohn von Carl Carlton” oder wurdest du gleich als eigenständiger Musiker wahrgenommen?

M.B.: Eigentlich nicht. Ganz im Gegenteil: Nach DSDS war er “der Vater von Max”. Er hat zwar das Album von Empty Trash mitproduziert, aber im Grunde hat sich mein Vater nie viel in das eingemischt, was ich mache. Jetzt ist es schön, dass er auch mich mal nach meiner musikalischen Meinung fragt. “Sidewalk Conversation” wollte ich aber komplett selbst machen, damit keiner auf die Idee kommt zu sagen, es sei nur was geworden, weil ich “der Sohn von” bin. Es war gut, das ganz alleine durchzuziehen.

Prominent24: Warum hat sich deine Band Empty Trash aufgelöst?

M.B.: Wir kamen einfach irgendwann nicht mehr weiter. Das war relativ frustrierend. Im ersten Dreivierteljahr nach DSDS sind drei Bandmitglieder ausgestiegen und zwei neue dazu gekommen. Obwohl es musikalisch gut lief, hatten wir viele Möglichkeiten, die wir nicht wahrgenommen haben, und haben uns etwas verrannt und kamen nicht mehr weiter. Bevor es zu frustrierend wurde, haben wir beschlossen, ein abschließendes Konzert mit den Ex-Bandmitgliedern zu geben. Das war ein schöner Abschluss.

Prominent24: Willst du dauerhaft als Solokünstler weitermachen oder kannst du dir vorstellen, auch wieder Teil einer Band zu sein?

M.B.: Ich bin nicht nur Max Buskohl, der Solokünstler, sondern auch ein Künstler, der auch mal etwas anderes machen will. Schon zu Empty Trash-Zeiten habe ich vieles nebenher gemacht, ich war etwa bei Klaus Voormanns Projekt mitgemacht, bei meinem Vater auf dem Album mitgesungen und bei einem Projekt von Amnesty International. Ich möchte immer offen bleiben für neue Projekte. Ich kann mir gut vorstellen, dass es irgendwann wieder eine Band geben könnte. Zudem sind Philipp und Jörn von Empty Trash bei meiner Live-Truppe dabei.

Max Buskohl

Max Buskohl veröffentlicht in Kürze sein erstes Album als Solokünstler

Prominent24: Dein Album “Sidewalk Conversation” ist auf einem “Songwriting-Trip” entstanden. Wohin hat es dich bei deiner Reise verschlagen?

M.B.: Bis das Album fertig war, hat es zwei Jahre gedauert. In dieser Zeit war ich oft in London, aber auch in Atlanta, Nashville und Los Angeles. Das war sehr spannend, wir haben fast jeden Tag neue Songs geschrieben. Es war eine tolle Erfahrung, mit neuen Leuten Songs zu schreiben. So hatte ich immer eine zweite und dritte Meinung dazu. Allerdings war es mir wichtig, dass es nicht nur darum ging, einen einzelnen Hit zu produzieren, sondern schöne Songs.

Prominent24: Die Zeit auf Reisen war also prägend für die Songs des Albums?

M.B.: Absolut. Das Album ist auch amerikanisch gefärbt, da ich privat die Musik der 60er, 70er, 80er-Jahre aus Amerika höre. Ich liebe zwar auch englische Musik, aber für dieses Album habe ich doch den amerikanischen Sound bevorzugt, damit es rund klingt.

Prominent24: Gibt es einen roten Faden, der sich durch das Album zieht?

M.B.: Der rote Faden sind die Tasteninstrumente, die sich durch das Album ziehen. Es ist viel Orgel und viel Klavier zu hören. Bisher habe ich nicht viel damit gemacht, aber es passt ganz gut zu meiner Stimmfarbe. Bislang habe ich mich meist nur mit Gitarre selbst begleitet. Ansonsten erinnert das Album an die 60er und 70er-Jahre, aber modern, ohne altbacken zu klingen. Es hat gute Arrangements, ohne kompliziert zu klingen.

Prominent24: Dein Album erscheint bei Universal, einem der großen Labels. Ist da der Druck, erfolgreich zu sein, nicht unglaublich groß? Wie gehst du damit um?

M.B.: Ich versuche einfach, nicht daran zu denken. Das Einzige, das mir wichtig ist, ist, dass ich ein zweites Album machen darf. So muss man heutzutage in der Musikwelt denken. Man kann sich glücklich schätzen, wenn man weitermachen darf und das reicht mir auch.

Prominent24: Was braucht man, um gute Songs zu schreiben?

M.B.: Es gibt Momente, in denen man los werden muss, was einen beschäftigt. Anstatt zum Therapeuten zu gehen, schreibt man es nieder. Andere schreiben Tagebuch, ich Songs. Deshalb ist das Album auch sehr privat geworden. Manchmal steht man in den Texten nackt da. Das ist schon fast masochistisch.

Prominent24: Mit welchem Künstler würdest du gerne mal zusammenarbeiten?

M.B.: (Wie aus der Pistole geschossen) Brandon Flowers. Er ist ein großes Vorbild von mir. Allein die Weihnachtsplatte der “Killers” ist großartig. Das muss man erst mal schaffen, eine Weihnachtsplatte zu schreiben, die man auf einem coolen Weihnachten auch hören kann, ohne dass sie peinlich ist. Es klingt wie ein “Killers”-Album, obwohl es ein Benefizalbum ist. Ich finde das klasse.

Prominent24: Du gehst bald auf Tour, um dein Album vorzustellen. Träumst du davon, mal in den ganz großen Hallen aufzutreten oder spielst du lieber in kleinen Clubs?

M.B.: Ich habe jetzt schon sehr oft in kleinen Clubs gespielt. Das macht auch Spaß und wir (Empty Trash, d. Red.) haben vor fünf Leuten genauso gerockt wie vor fünftausend. Aber klar, wenn die Venues größer werden, kann man auch mehr Musiker einstellen. Ich denke da weniger an die Größe des Publikums, sondern daran, was das Publikum bekommen könnte, wenn die Möglichkeiten größer werden.

Das Interview führte Elisabeth Singer für Prominent24.de.

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