Adam Tensta: “‘Scared Of The Dark’ ist ein Polaroid von mir”

Adam Tensta

Im Interview mit prominent24 hat Adam Tensta über sein zweites Album “Scared Of The Dark” gesprochen und uns verraten, welche Attribute dahinter stecken

Spätestens seit dem 11. Februar ist der schwedische Rapper Adam Tensta dazu bereit, sich endlich einen Namen im deutschen Musikmarkt zu machen. Sein Erfolgsalbum “Scared Of The Dark” wurde im deutschsprachigen Raum veröffentlicht und für den ausschließlich digitalen Release hat der Rapper eine coole Idee gehabt: “Scared Of The Dark” gibt es zunächst nur dort, wo sein Rap herkommt: Von der Straße. “Are You Scared Of The Dark?” – Alle Informationen zu der Kampagne und des Albums könnt ihr hier nachlesen: Adam Tensta ist bereit den deutschen Musikmarkt zu erobern.

Kurz nach dem Release habe ich Adam Tensta getroffen und ihm viele Fragen gestellt. Welche Erwartungen setzt er in sein zweites Album? Würde er sich über eine Grammy-Nominierung freuen? Was sagt Adam Tensta zu dem Liebes-Comeback von Rihanna und Chris Brown – und überhaupt, ist der Rapper selber “Scared Of The Dark”? Dies und vieles mehr könnt ihr im folgenden Interview herausfinden:

Prominent24.de: Hi Adam. Der 11. Februar war ein wichtiger Tag in deiner jungen Karriere. “Scared Of The Dark” – dein zweites Album feierte Release im deutschsprachigen Raum. Welche Erwartungen setzt du in die Veröffentlichung des Albums? Denkst du Deutschland ist ein wichtiger Musikmarkt, um deine internationale Bekanntheit zu steigern?

Adam Tensta: Für mich ging es nie um Ruhm, sondern um die Musik und ich weiß, dass Menschen aus aller Welt meine Musik hören auch wenn sie in manchen Gebieten noch eher zum Untergrund gehört. Ich möchte mit meiner Musik in Zukunft noch mehr Leute erreichen und das ist der Grund, warum ich sehr glücklich über die QR-Code-Kampagne “Are you scared of the Dark” bin, welche am 11. Februar gestartet ist. Die Kampagne wird noch mehr Leuten die Möglichkeit geben meine Musik zu hören und sie auch umsonst zu bekommen. Es ist egal, ob sich Musik durch Verkäufe oder einer speziellen Kampagne wie meine ausbreitet, mir ist es nur wichtig, dass die Leute meine Musik hören und vielleicht etwas von meinen Erfahrungen mitnehmen.

Prominent24.de: Du hast gemeinsam mit deinen PR-Agenten einen anderen Weg gewählt um dein Album “Scared Of The Dark” an die Öffentlichkeit zu bringen. Mich erinnert die Idee ein wenig an Guerilla Marketing. In einer deiner Statements hast du angekündigt, dass deine Fans auf die Straße gehen sollen – an den Ort, wo du deine musikalischen Einflüsse gefunden hast: “Geht raus. Tauscht eure Ansichten mit jemand anderem aus und geht dann wieder nach Hause als ein Teil von mir”, lauteten deine Worte. Wurde diese Idee in die Realität umgesetzt, weil du damit zeigen möchtest, dass deine Musik zu 100% aus dir selber besteht oder gab es ein anderes Konzept?

Adam Tensta: Ja, der Grund warum ich diese Kampagne liebe ist, dass es ein neuer Weg ist um Musik zu verbreiten. Ich möchte nicht, dass meine Musik einem traditionellen Musikrelease entspricht, wie es die meisten Labels praktizieren. In meinen Ohren klingt das einfach langweilig, so als ginge es “nur” um die Musik – dabei geht es um viel mehr: Ich möchte das meine Musik auch eine Art Erfahrung ist, etwas, was die Leute zuvor vielleicht selber noch nicht durchgemacht haben. Genauso ist es, wenn ich auf der Bühne live performe. Ich wünsche mir, dass die Leute die Gruppe verlassen und sich daran erinnern, wie sie hergekommen sind, was sie gemacht haben und welcher Wochentag es war. Ich möchte das Leute sich an “Scheiße” erinnern und es dann für sich mitnehmen, genau das ist der Grund, warum ich schon immer daran interessiert war Musik auf andere Art und Weise zu verbreiten und es somit möglich zu machen, dass die Leute einen Teil dieser Erfahrung mitnehmen können. Yeah, das ist es!

Prominent24.de: Für das Album hast du sogar damit begonnen, mit anderen Künstlern verschiedenster Genren zusammen zu arbeiten. Zum Beispiel hört man auf “Scared Of The Dark” auch David Exit, den Sänger der schwedischen Punkband “Final Exit”. Wieso hast du mit Rap feat. Punk so einen Kontrast gewählt? Ist das die Handschrift von Adam Tensta um die unterschiedlichsten Facetten ans Tageslicht zu bringen? Oder ist es etwas wie ein Merkmal um deinen persönlichen Stil und deine Einzigartigkeit zum Ausdruck zu bringen?

Adam Tensta: Hey, das ist eine gute Frage. Ich freue mich das du über “Final Exit” und auch “Dave Exit” Bescheid weißt. Dave ist ein guter Freund von mir. Wir sind gemeinsam eine lange Zeit getourt und kamen schließlich zusammen um gemeinsam Musik zu machen. Die gemeinsame Arbeit mit ihm für das Album war schließlich das Ergebnis daraus. Er ist wirklich ein sehr, sehr beschäftigter Mann, deshalb war es für mich wirklich ein Privileg das es möglich war, mit ihm zu arbeiten. Für mich geht es in erster Linie um gute Musik und das Musiker auf einen gemeinsamen Nenner kommen und ihre Erfahrungen miteinander teilen. Und in diesem Fall, also von Dave und mir, war es die Erfahrung, gemeinsam etwas im Studio aufzunehmen.

Prominent24.de: Wieso hast du dein Album “Scared Of The Dark” genannt? Darf ich den Titel wörtlich nehmen oder spiegelt er deine Erfahrungen und Vergangenheit wider? Können wir mit deinem Album moderne Rap-Musik erwarten mit Lyrics, die uns hilft, mehr über dich und dein Leben zu erfahren? Und überhaupt… Fürchtest DU dich denn vor der Dunkelheit?

Adam Tensta: Haha… ja, ich bin ein bisschen ängstlich wenn es dunkel wird, aber das ist nicht der Grund, warum ich das Album so getauft habe. “Scared Of The Dark” lautet der Titel, weil es für mich sowas ist wie ein Schnappschuss, ein Polaroid oder auch eine Aufnahme meines gegenwärtigen Zustands. Und ich war wirklich verängstigt über viele Sachen: Ich fürchtete mich um das, was um mich herum geschah und war besonders besorgt um meine Beziehungen zu meiner Familie und meinen Freunden. Während der Album-Aufnahmen war ich mir nicht immer sicher, deshalb ließ ich mich von allen meiner Gedanken beeinflussen und auch von dem späteren Ergebnis, wo mein Album schließlich landen wird. Also ja, ich fürchte mich vor der Dunkelheit aber nicht im wörtlichen Sinne.

Prominent24.de: Wie hast du damit begonnen deine eigenen Texte zu schreiben? Hast du einen speziellen Satz im Kopf und fängst dann an, nach Rhymes zu suchen oder startest du meiner x-beliebigen Melodie?

Adam Tensta: Manchmal unterscheidet sich meine Herangehensweise total von der letzten. Die Entstehung meines jetzigen Albums hat eine ganz schön lange Zeit beansprucht. Es hat drei Jahre gedauert alle Texte zu schreiben. Zu erst hatte ich an Texten einfach nur den älteren Shit. Zwischendurch war ich viel am reisen und hatte einfach meinen ganz Tisch voll mit Textstücken und haufenweise Arbeit, also hatte ich nicht wirklich die Möglichkeit oft ins Studio zu gehen was der Grund war, warum die Produktion so lange gedauert hat. Die Songs auf “Scared Of The Dark” starten immer mit einem Gefühl, hört euch die Platte noch und noch an und findet heraus, welche Art von Gefühl es mir gibt. Generell, ich orientiere mich beim Schreiben immer an meinen Gefühlen und Gedanken, die ich nicht zuletzt selber beim Musik hören herausfinde. Dann fahre ich alles runter, schalte die Lichter im Raum ab, schließe meine Augen und versuche dann, dass optimale Gefühl für mich herauszufinden, welches ich in passenden Worten wiedergeben kann. Oft war es für mich eine Herausforderung über die Sachen die ich gerade mache oder fühle auf dem Album zu sprechen. Speziell erinnere ich mich da an die Entstehung des Songs “Lights At Bay”. Der Text handelt von der schwierigen Beziehung zwischen mir und meinem Vater und diesen Scheiß preiszugeben war echt schwer. Ich finde es noch immer verdammt schwierig mit Leuten von Angesicht zu Angesicht über Gefühle zu sprechen, also sammle ich meine ganzen Empfindungen zusammen – wie in “Lights At Bay” – und stecke sie in eine Platte, von der ich mir erhoffe, dass er (also mein Vater) meine Gefühle verstehen würde.

Prominent24.de: Welchen berühmten Rapper (tot oder lebendig) würdest du gerne treffen wenn du die Chance dazu hättest? Gibt es ein musikalisches Idol in deinem Leben? Bist du in dieser Hinsicht vielleichet traditionell und orientierst dich selber an den Pionieren des Hip Hops wie Run DMC, Public Enemy, Sugarhill Gang oder Grandmaster Flash, dessen weltweiter Hit “The Message” auch von dem harten Alltag des Straßenlebens erzählt? Oder urteile ich gerade zu vorschnell und dein Idol ist möglicherweise jemand ganz anderes?

Adam Tensta: Wow, das ist eine echt lange Frage.. haha – tot oder lebendig. Welchen Rapper ich gerne treffen würde? Muss es ein Rapper sein oder kann es auch eine andere einflussreiche Person sein?

Prominent24.de: Ja

Adam Tensta: Haha okay, toter Rapper … Ich würde Big L treffen wollen, ich denke er war ein verdammt ausgelassener Typ und ein extrem talentierter Rapper für diese Zeit. Es gibt wirklich viele Leute die ich gerne treffen würde, Big L ist einer von ihnen. Natürlich möchte ich auch Bob Marley treffen, denn ich denke, er ist der größte musikalische Einfluss in meinem Leben und seine Musik reißt mich wirklich mit, sie nimmt mich mit auf eine Reise. Deshalb habe ich viele Fragen, die ich ihm stellen würde. Dann würde ich noch gerne Nelson Mandela, Fidel Castro treffen… Ohje, da gibt es soviele Leute die ich gerne treffen würde … Andre3000! Ich möchte wissen wie er seine Tracks schreibt, ich denke seine Scheiße ist jedesmal überwältigend. Wie du siehst gibt es also eine Menge an Leuten die mich interessieren und ich kann sie nicht wirklich in eine Reihenfolge bringen, außer vielleicht Bob Marley.

Prominent24.de: Vor 14 Tagen (10. Februar) fand die 55. Verleihung der Grammy Awards in Los Angeles statt. Unbestreitbar ist der Grammy der wichtigste Award für Musiker. Würdest du es als erstrebenswert bezeichnen eines Tages auch eine Nominierung in einer oder mehreren Kategorien der Grammys zu haben? Oder setzt du deine Maßstäbe nicht ausschließlich in Musikpreise und Chartplatzierungen?

Adam Tensta: Ja, ähmm… Ich habe bereits ein paar Erfahrungen was das Gewinnen von Musikpreisen angeht gesammelt, und ich denke noch genauso darüber wie davor. Es ist komisch in der Musik zu konkurrieren. Ich glaube es geht in den meisten Fällen darum, seine Popularität im Wettbewerb unter Beweis zu stellen. Für mich lebt die Musik vom Ausdruck und es ist nicht unbedingt notwendig, diesen Ausdruck für eine breitere Masse beliebt zu machen – natürlich wäre es nicht schlecht, ist jedoch nicht zwingend notwendig. Ich möchte bloß die individuelle Person erreichen und wenn mir das am Ende eine Grammy-Nominierung in den Staaten beschert, dann wäre das echt cool. Auf jeden Fall ist es eine Bestätigung wie breit deine Auswirkung auf dem Musikmarkt ist, doch ich würde nicht unbedingt sagen, dass ich auf eine Nominierung fokussiert bin oder es das ist, wonach ich strebe. Ich möchte einfach nur meine Musik machen die Leute berührt und wenn es mir wie gesagt eine Grammy-Nominierung einbringt, dann super. Aber ich werde nicht daran sterben wenn es nicht so sein sollte ;)

Prominent24.de: Schlussfolgernd aus der letzten Frage: Was sind deine wichtigsten Ziele für die nahe Zukunft?

Adam Tensta: Mein wichtigstes Ziel in musikalischer Hinsicht ist es, an meinem nächsten Album zu arbeiten und es so schnell wie möglich an die Leute zu bringen. Nach der “Scared Of The Dark”-Kampagne möchte ich erstmal touren und spielen, damit die Leute erleben können was es heißt Adam Tensta live zu sehen. Ansonsten gibt es viel Arbeit, die getan werden muss. Ich bin Botschafter der “SOS Kinderdörfer” noch bis September diesen Jahres. Ich möchte so viele Menschen erreichen wie ich kann, um sie dazu zu bewegen sich sozial zu engagieren und Leben zu retten, denn das ist es, worum es in vielen Ländern dieser Welt geht, auch wenn wir zu Hause in Schweden diese Probleme nicht unbedingt haben. Ich rede über die dritte Welt und besonders über Ghana, wo ich vergangenen September im Rahmen meiner Arbeit für die “SOS Kinderdörfer” zu Besuch war. Diese Ziele und Pläne werde ich weiter verfolgen und yeah, hoffentlich eines Tages damit die Welt verändern.

Prominent24.de: Liege ich richtig wenn ich behaupte, dass die Eröffnung der “Good Girl Gone Band”-Tour von Rihanna an allen europäischen Terminen ein weitreichender Schritt in deiner Karriere war? Wie kam die Vereinbarung dazu zustande? Gab es neben den Konzerten genug Zeit um sich kennenzulernen? Wie würdest du die Reaktionen der Konzertbesucher während deines Gigs beschreiben?

Adam Tensta: Ich habe sie gesehen, wie sie gerade im Flur an mir vorbeiging. Sie schaute mich kurz an und das war es dann auch, aber es war ein magischer Moment. Haha – Ich war der Eröffnungsact von Rihanna. Ich habe Busta Rhymes’ Show eröffnet, die von Jay-Z – und ein paar mehr große Namen und es ist immer eine Ehre eine Show von großen Acts zu eröffnen. Es ist wie eine Bestätigung. Für mich war es zum Beispiel eine große Ehre, die Show von Jay-Z in der globalen Arena in Schweden eröffnen zu dürfen. Das war eines meiner Highlights. Natürlich, die Eröffnung von Rihannas Show war auch gut, aber ob es nun ein Meilenstein in meiner Karriere ist oder nicht, etwas zu Eröffnen ist nie so wichtig wie seine eigene Tour durchzuziehen und ein Publikum zu haben, dass dann wirklich meine Musik hört. Bei der “Good Girl Gone Bad”-Tour stand ich vor Tausenden von Menschen und manche von ihnen mochten wirklich meine Musik, aber die meisten warteten natürlich auf Rihanna. Deshalb war und ist es nicht ein prägender Moment meiner Karriere. Im Wesentlichen war es jedoch eine sehr gute Nacht.

Prominent24.de: Bist du denn ein Fan von Rihanna? Was denkst du über ihr Liebes-Comeback mit ihrem “Prügel”-Ex Chris Brown? War es die richtige Entscheidung?

Adam Tensta: Hahaha. Es ist nicht wirklich meine Aufgabe über die Angelegenheiten von anderen Leuten zu reden. Sie kann machen was sie will, er kann machen was er will. Ich habe nicht einen Gedanken daran verschwendet, es ist nicht meine Sache ob Rihanna Chris Brown datet oder nicht. Nichtsdestotrotz bin ich natürlich ein Fan ihrer Musik. Sie ist ziemlich wirkungsvoll. Ich höre ihre Musik zwar nicht regelmäßig aber ich kenne Leute, die wirklich von Rihannas Musik berührt sind und das sollte man respektieren.

Prominent24.de: Adam, wir sind fast am Ende. Verrat uns zum Schluss doch noch, ob es bald eine Möglichkeit gibt dich live in Deutschland zu sehen. Gibt es derzeit irgendwelche Pläne in dieser Hinsicht?

Adam Tensta: Uhh… uff… hahah. Es gibt viele Pläne, im Augenblick könnt ihr www.scaredofthedark.de besuchen und einen Eindruck vom Album bekommen sowie meine Erfahrungen teilen. Es ist ein sehr persönlich gekennzeichnetes Album von mir und ich hoffe das ich bald nach Deutschland kommen kann um zu spielen. Ein paar Festivals wurden schon gebooked. Ich habe noch keine speziellen Namen aber ich möchte so schnell wie möglich in Deutschland aktiv werden. Berlin ist meine verdammte Lieblingsstadt, deshalb plane ich so schnell wie möglich dort hinzukommen und natürlich auch viele andere Orte in Deutschland zu besuchen um Leute zu treffen. So viel dazu. Danke für das Interesse und ich hoffe euch da draußen gefällt mein Album.

Das Interview führte Jana Schwalbe für Prominent24.de

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